– Wie Landwirte und Gärtner Samen benötigen, um Pflanzen zu ziehen, so benötigen Förster und Waldbesitzer Samen, um neue Bäumchen anzuziehen, die man dann pflanzen kann. Doch wo kommen diese Samen her? Im Wald nahe Jesenwang fand kürzlich die Ernte von Bucheckern statt, die für die Anzucht von neuen Rotbuchen benötigt werden.
Hier werden die Bucheckern von Laub und Ästen getrennt.
AELF/Knoll

Landkreis – Wie Landwirte und Gärtner Samen benötigen, um Pflanzen zu ziehen, so benötigen Förster und Waldbesitzer Samen, um neue Bäumchen anzuziehen, die man dann pflanzen kann. Doch wo kommen diese Samen her? Im Wald nahe Jesenwang fand kürzlich die Ernte von Bucheckern statt, die für die Anzucht von neuen Rotbuchen benötigt werden. Beteiligt waren Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck (AELF).

Um den Wald von morgen gestalten zu können, brauchen wir qualitativ hochwertiges Saatgut“, sagt Revierleiter Friedrich Wendorff. Er ist verantwortlich dafür, dass die Regeln des Forstvermehrungsgutgesetzes bei der Beerntung der Buchen eingehalten werden. „Saatgut aus dem Wald, das an andere Waldbesitzer oder an Baumschulen verkauft wird, darf nur in eigens dafür zugelassenen Erntebeständen geerntet werden. Grund dafür ist der Erhalt der genetischen Vielfalt und eine ausreichende Qualität und Vitalität der Samenbäume“, nennt er ein Beispiel. „Das Saatgut einer bestimmten Ernte erhält von der Bayerischen Forstverwaltung ein sog. Stammzertifikat, ähnlich einer Geburtsurkunde. Dieses Stammzertifikat bleibt bis zur Pflanzung der Samen, z.B. in der Baumschule, beim Saatgut. Später findet man die Nummer des Stammzertifikats bei den Baumschulpflanzen wieder, etwa wenn Waldbesitzer Pflanzen geliefert bekommen. So lässt sich zurückverfolgen, wo die Samen herkommen“, erklärt er.

Richtiges Saatgut sichert den Fortbestand unserer Wälder

Wenn sich ein sogenanntes „Mastjahr“ abzeichnet, d.h. die Buchen im zugelassenen Erntebestand haben viele Samen gebildet, die ausreifen können, werden ab Mitte September große Netze unter den Buchenkronen ausgelegt. Das Einholen der Netze erfolgt, je nach Witterung, bis Ende Oktober. Schon vor Ort wird das Saatgut von Blättern und kleinen Ästen befreit und dann in luftdurchlässigen Säcken abgepackt. Die in diesen Tagen gesammelten Bucheckern werden in den Pflanzgarten der BaySF nach Laufen an der Salzach gebracht. Dort erfolgt die Aufzucht zu jungen Buchen, die ab einem Alter von drei Jahren wieder in die Wälder gepflanzt werden können. „Bei der Pflanzung ist es wichtig, dass das Erbgut zu den Böden und der Witterung im Gebiet passen. Dafür ist ganz Deutschland in sogenannte Herkunftsgebiete für jede wichtige Baumart eingeteilt. Pflanzen, die aus dem Saatgut eines bestimmten Herkunftsgebiets entstanden sind, dürfen auch nur in entsprechend klimatisch passende Gegenden gepflanzt werden“, erläutert Marc Koch, Bereichsleiter Forsten am AELF. „Was wohin gepflanzt werden sollte? Darüber geben die Beratungsförster des AELF Auskunft“, ergänzt er.

Knapp 1.000 Kilo Bucheckern geerntet

Bei der aktuellen Ernte in den BaySF-Forstrevieren Schöngeising und Moorenweis des Forstbetriebs Landsberg sind insgesamt knapp 1.000 Kilogramm Bucheckern zusammengekommen. Damit die Netze auch gut am Boden ausgelegt werden konnten, haben die BaySF-Revierleiter Alexander Beer und Klaus Wehr sogar einzelne Bäumchen unter den alten Buchen wegschneiden lassen. „Da geht die Samenernte erstmal vor!“, so Klaus Wehr. „Pro Kilogramm können wir mit rund 1.000 bis 1.500 verkaufsfähigen Pflänzchen rechnen“, weiß Koch. Um diese Zahlen vorherzusagen, bestimmt Revierleiter Wendorff im Verlauf der Ernte das „Keimprozent“, das aussagt, welcher Anteil der Samen wohl überhaupt keimfähig ist.

„Die Buche ist gut an unsere Böden angepasst, und auch die heimische Fauna und Flora hat sich über die Jahrtausende auf sie eingestellt“, berichtet Wendorff. „Viele, heute seltene Arten kommen nur an der Buche vor, wie etwa der Blaue Wurzelhalsschnellkäfer oder der Alpenbock. Dass unsere Gegend eine Buchenwald-Gegend ist, beweisen auch viele Ortsnamen, wie „Puch“, „Puchheim“ oder „Buchenau“. Junge Buchen mögen es, im Schatten älterer Bäume, am liebsten auch Buchen, aufzuwachsen. Förster reichern die Buchenwälder mit Mischbaumarten an, damit keine großflächigen Reinbestände entstehen. Mit der heutigen Ernte können wir weiter daran arbeiten, den Wald in einen klima-angepassten Mischwald umzubauen.“                  red,

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