Die Folgen der Energiekrise und die Inflation sind für alle spürbar. Aber einen Personenkreis treffen gestiegene Preisen für Lebensmittel und Heizung besonders hart: arme und alte Menschen. Auch bei den Tafeln gehen die Lebensmittelspenden zurück, obwohl gleichzeitig immer mehr Menschen auf Hilfe angewiesen sind.
Waltraud Nett zeigt Paul Breitner ein Brettspiel, das sie gerne spielt
Julia Krill/Malteser

Gröbenzell - Die Folgen der Energiekrise und die Inflation sind für alle spürbar. Aber einen Personenkreis treffen gestiegene Preisen für Lebensmittel und Heizung besonders hart: arme und alte Menschen. Auch bei den Tafeln gehen die Lebensmittelspenden zurück, obwohl gleichzeitig immer mehr Menschen auf Hilfe angewiesen sind. Im Alter steigt das Armutsrisiko. Das bestätigt der Sozialbericht der Bayerischen Staatsregierung. Gerade die Menschen, die über dem Satz für Grundsicherung liegen und somit keine finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten, sind besonders gefährdet. Das sind neben Alleinerziehenden, Rentnerinnen und Rentner, deren Einkünfte knapp über der Bemessungsgrenze für Grundsicherung liegen. Diesen Personenkreis trifft die Inflation mit besonderer Härte, denn wer arm ist, kann nicht auf Erspartes zurückgreifen, um kurzfristig Engpässe auszugleichen.

Hier setzt ein soziales Projekt der Malteser an. Mit Mahlzeitenpatenschaften für Bedürftige ermöglichen sie armen Seniorinnen und Senioren täglich ein kostenloses, nach ihrem Geschmack und Wünschen zusammengestelltes, Mittagsmenü zu ordern. Paul Breitner ist seit 2019 Schirmherr der Malteser Mahlzeitenpatenschaften und begleitete den Malteser Menüservice bei der Tour zu bedürftigen Kunden im Landkreis Fürstenfeldbruck.

„Dass ich von Ihnen einmal besucht werde, das hätte ich mir nicht träumen lassen!“ Rudolf Ostermeier steht in der Haustüre und strahlt, als Paul Breitner das Gartentor öffnet. Herr Ostermeier lebte fast fünfzig Jahre glücklich verheiratet in dem kleinen Häuschen in der Eichenau, als seine Frau plötzlich unheilbar krank wurde und in kurzer Zeit verstarb. Seitdem ist der Witwer, inzwischen 79 Jahre alt,  ganz auf sich allein gestellt. „Seit meine Frau gestorben ist, hat sich für mich alles geändert“, erzählt der ehemalige Versicherungsangestellte. „Sie war die Frau meines Lebens und ich vermisse sie furchtbar. Auch meine finanzielle Situation ist leider sehr schlecht.“  Da ist das kostenlose Mittagessen, das er vom Malteser Menüservice bekommt, eine echte Hilfe. „Einmal am Tag sollte man schon etwas Warmes essen“,  meint Rudolf Ostermeier und zu Paul Breitner: „Ich schau mir jedes Bayern Spiel an“. Dann führen die beiden ein langes Gespräch über die aktuelle Situation beim FC Bayern, über Taktik und die Bundesliga im Allgemeinen.

Wenige Kilometer weiter wohnt in Olching Waltraud Nett. Mit drei weiteren älteren Damen lebt sie in einer Wohngemeinschaft. Die geräumige, helle Wohnung liegt im dritten Stock eines neuen Wohnblocks direkt neben einem modernen Einkaufszentrum. Die Seniorin wartet bereits, gestützt auf ihren Rollator, an der Wohnungstüre auf ihren prominenten Besuch. Waltraud Nett ist  mindestens so freundlich wie ihr Name. Sie bittet Platz zu nehmen und setzt sich mit ihrer kroatischen Mitbewohnerin und Freundin Lubica Kisur auf das bequeme Sofa in ihrem Gemeinschaftsraum. Geboren in Schlesien kam sie nach dem Krieg als Kind mit Mutter und Bruder im Landkreis Fürstenfeldbruck an. Sie heiratete später und bekam zwei Töchter. Als die Ehe scheiterte, zog sie die Mädchen allein groß. Inzwischen ist sie Familienoberhaupt von 14 Kindern, Schwiegerkindern, Enkeln und Urenkeln. „Meine Kinder sind für mich da und das ist das Wichtigste“, sagt Waltraud Nett und fügt hinzu: „Die größte Freude für mich sind meine Kleinsten.“ Aber auch die Unterstützung der Malteser, die täglich ein kostenloses Mittagessen liefern, freut die Seniorin und ist eine große Hilfe. „Wenn es euch nicht geben würde, dann ginge es viel schlechter“, sagt sie. „Man muss lernen alt zu werden. Früher habe ich alles selbst machen können und jetzt geht es halt umgekehrt. Ändern kann man es nicht“, konstatiert die 87-Jährige. Zum Schluss zeigt sie Paul Breitner noch ihr Lieblingsspiel Rummikub. Für das Erlernen des Spiels reicht leider die Zeit nicht, aber vielleicht beim nächsten Besuch.

Paul Breitner besucht regelmäßig bedürftige Senioren, die über eine Mahlzeitenpatenschaft von den Maltesern mit kostenlosen Essen versorgt werden. Der Schirmherr hat sich von der Qualität selbst ein Bild gemacht: „Ich habe auch viele verschiedene Essen probiert. Und es schmeckt wie beim Wirt bei uns daheim!“

Für wen sind Mahlzeiten-Patenschaften?
Über eine Malteser Mahlzeiten-Patenschaft bekommen Senioren in persönlicher und finanzieller Not täglich kostenlos ein warmes und gesundes Mittagsmenü. Beantragen kann sie jeder, der über 75 Jahre alt oder aufgrund von Krankheit oder Behinderung beeinträchtigt ist und zusätzlich eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt: Er oder sie bezieht Sozialhilfe oder Grundsicherung oder hat einen Berechtigungsschein der Tafel oder eine Sozialcard. Oder aber nach Abzug der Miete bleiben weniger als 600 Euro monatlich zum Leben. Vielleicht kennen Sie auch jemanden, für den das eine Hilfe wäre?

Wo erfahre ich mehr über die Mahlzeiten-Patenschaften?
Interessenten, die eine Mahlzeiten-Patenschaft beantragen möchten, wenden sich bitte an das zentrale Kundenbüro der Bezirksgeschäftsstelle des Malteser Hilfsdienstes, Bahnhofstr. 2a, 82166 Gräfelfing, Tel.: 089 / 85 80 80-200, E-Mail: mahlzeitenpatenschaften.graefelfing@malteser.org Informationen gibt es auch bei jeder anderen Malteser Dienststelle und im Internet unter www.mahlzeitenpatenschaften.de

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