Die Volkshochschulen fordern in einem kleinen Maßnahmenkatalog, klare zeitliche Perspektiven aufzuzeigen zur Wiederaufnahme des Kursbetriebs.
Die Volkshochschulen fordern in einem kleinen Maßnahmenkatalog, klare zeitliche Perspektiven aufzuzeigen zur Wiederaufnahme des Kursbetriebs.
Susanne

Landkreis – Eine Shoppingtour, eine Busreise, ein Besuch in einem Restaurant, eine Demonstration mit tausenden anderen Menschen sind schon jetzt oder in Kürze möglich. Das Lernen Erwachsener hingegen – in kleinen Gruppen, unter Einhaltung geregelter Infektionsschutzmaßnahmen – in Integrationskursen, im Sprachenbereich, in der präventiven Gesundheitsbildung, in der politischen, kulturellen und künstlerischen Bildung habe laut einer Pressemitteilung (nach Vorlage des Bayerischen Volkshochschulverbands) weiterhin jedoch keine Perspektive.

Nicht nachvollziehbar sei diese Situation für die knapp 200 Volkshochschulen in Bayern, ihre 30.000 freiberuflichen Dozenten und insbesondere für ihre zwei Millionen Teilnehmer. „Obwohl Erwachsenenbildung in Bayern Verfassungsrang hat (Artikel 139 der Bayerischen Verfassung) und in Artikel 1 des Bayerischen Gesetzes zur Förderung der Erwachsenenbildung als gleichberechtigter und eigenständiger Hauptbereich des Bildungswesens definiert ist, erfährt sie in der Öffnungsdebatte und in einer der größten gesellschaftlichen Krisen seit dem 2. Weltkrieg keine angemessene Berücksichtigung“, moniert die Leiterin der Fürstenfeldbrucker Volkshochschule, Silvia Reinschmiedt, stellvertretend für ihre Landkreiskollegen. Denn Bildung sei „kein Luxus in Krisenzeiten, sondern ein öffentliches Gut und bitter notwendig – für gesellschaftliche Teilhabe aller und als beste Prävention vor dem wachsenden Einfluss von Verschwörungstheorien und Fake News.“ Leitgedanke und Prinzip der Volkshochschularbeit sei, dass sie „unabhängig von sozialer Herkunft, Nationalitäten, Milieus, Religionen, kulturellen Orientierungen, Alter, Geschlecht und sexueller Identität offen für alle sind. Volkshochschulen sind parteipolitisch und weltanschaulich neutral, pflegen eine offene Lernkultur, eröffnen Bildungschancen für vielfältige Lebenssituationen und führen ihre Bildungsarbeit in der Tradition der Aufklärung durch“.

Die Volkshochschulen fordern in einem kleinen Maßnahmenkatalog, klare zeitliche Perspektiven aufzuzeigen zur Wiederaufnahme des Kursbetriebs. Entsprechende Hygiene- und Raumkonzepte seien bereits erarbeitet. Des Weiteren wird die Staatsregierung gebeten, die freiberuflichen Kursleiter nach dem Vorbild anderer Bundesländer finanziell zu unterstützen, da hier die Corona-Soforthilfe des Freistaats aufgrund fehlender Betriebsausgaben nicht greife. Es bedürfe „einer gemeinsamen finanziellen Anstrengung von kommunaler Seite und auf Landesebene, um das bestehende, gut funktionierende System der Volkshochschulen in Bayern zu retten“. Bis Ende Juli würden die Volkshochschulen bayernweit mit einem Finanzloch von 23,5 Millionen Euro rechnen, erläutert Reinschmiedt weiter. Aufgrund zu erwartender Einschränkungen bei einem wieder aufgenommenen Kursbetrieb ab Herbst (kleinere Gruppen, Hygienemaßnahmen, Rückgang von Buchungen, Weiterentwicklung des digitalen Kursangebots) befürchtet man bis Ende 2021 eine Finanzierungslücke von mehr als 74 Millionen Euro. Die Folge seien Entlassungen und Insolvenzen, insbesondere bei den privatrechtlich organisierten Volkshochschulen. „Eine über 100-jährige flächendeckende Struktur der Erwachsenenbildung droht zu verschwinden. Die Investition in Volkshochschulen ist eine Investition in die Zukunft“; mahnt die Volkshochschulleiterin. Volkshochschulen würden einmal mehr zeigen (wie auch schon 2015 während der Flüchtlingskrise), was in ihnen stecke. So ist das bayernweite Online-Programm „vhs.daheim“ für alle kostenfrei, jederzeit abrufbar, aber auch live und interaktiv mittels Chats zu nutzen. Viele Volkshochschulen würden außerdem in atemberaubender Geschwindigkeit alternative Angebote zum Präsenzlernen entwickeln.       red

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