Kurz vor seinem 71sten Geburtstag hat Bayerns liebenswertester aber auch schrägster Songwriter am Sonntag für immer „Pfiad Eich“ gesagt
Leni Lehmann
Steinebach – A wahre Freud hätte der Tiger Willi alias Wilhelm Raabe angesichts der vielen Letzten Grüße gehabt, die Freunde, Weggefährten und Förderer anlässlich seines Todes veröffentlichten. Kurz vor seinem 71sten Geburtstag hat Bayerns liebenswertester aber auch schrägster Songwriter am Sonntag für immer „Pfiad Eich“ gesagt. Die letzten Jahre waren geprägt von sprachlichen und gedanklichen Aussetzern und einer Krankheit, die sich Alzheimer nennt. Im Mai 2013 war noch geplant, ein Buch über den Liedermacher und Illustrator zu schreiben. Der Beginn war gemacht. Ein Buch, in dem nicht nur der Tiger, sondern auch Fans wie der ehemalige Prior vom Kloster Andechs, Anselm Bilgri, sowie Kollegen aus der Musik- und Kabarett-Szene zu Wort gekommen wären. Doch schon nach den ersten Sitzungen räumte Wilhelm Raabe ein: „Ich kann mich an viele Dinge nicht mehr erinnern, ich habe Alzheimer im Anfangsstadium. Wir müssen schnell machen, wenn das Buch noch fertig werden soll.“ Von da an verschwand Tiger Willi von der Bildfläche. Kein Buch, keine Konzerte und auch keine Spaziergänge mehr, auf denen ihm so manch‘ schräge Texte eingefallen sind. Unter anderem sein Rap vom „Papageil“, der mitten auf dem Waldweg im Unterbrunner Holz entstanden ist. Legendär aber Tigers Geschichten über seine Zeit als Metzger in der eigenen Fleischerei in Steinebach. Die älteren Bürger erinnern sich noch gerne an ihre Einkäufe in der Metzgerei. Kam Schauspieler Christian Quadflieg in den Laden, er wohnte damals noch am Wörthsee, dauerte es oft nicht lange, bis die Kundschaft vergessen war und Raabe und Quadflieg zwischen Blut- und Leberwürsten Plato und Schoppenhauer rezitierten.
 
Wie alles andere im Leben von Wilhelm Raabe, gestalteten sich auch seine Bühnenauftritte skurril bis sensationell. Man mochte ihn, oder man mochte ihn nicht. Ein Mittendrin gab es nicht. Weshalb der Tiger nach seinen Auftritten auch nicht die Gäste zählte, die blieben, sondern die, die gegangen waren. Mit der Zeit waren letztere immer weniger. Kritiker lobten ihn als Philosophen, der die fleischliche Lust auf recht eigene, teils skurrile, teils direkte Art thematisierte. Fünf CDs hat er aufgenommen. Bis 2006 begleitete ihn Bonzo Keil an der Gitarre. Nach dessen Tod wechselten seine musikalischen Mitstreiter. Wilhelm Raabe wäre am Sonntag, 9. April, 71 Jahre alt geworden. Leni Lehmann
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