„Können die Gläubigen nicht zu mir in die Kirche kommen, komme ich einfach zu ihnen ins Haus“, dachte sich Gilchings Pfarrer Franz von Lüninck und startete einen eigenen Youtube-Kanal.
„Können die Gläubigen nicht zu mir in die Kirche kommen, komme ich einfach zu ihnen ins Haus“, dachte sich Gilchings Pfarrer Franz von Lüninck und startete einen eigenen Youtube-Kanal.
Fuchshuber

Gilching – „Können die Gläubigen nicht zu mir in die Kirche kommen, komme ich einfach zu ihnen ins Haus“, dachte sich Gilchings Pfarrer Franz von Lüninck und startete einen eigenen Youtube-Kanal. Der Erfolg gibt ihm Recht. Über 900 Besucher verfolgten bisher seinen ersten virtuellen Gottesdienst.

Als die Idee entstand, in Zeiten von Corona zu den Menschen per Live-Stream ins Haus zu kommen, waren noch erste Zweifel da. „Live Übertragungen von Gottesdiensten gibt es ja schon, auch in der Region. Mein Team überzeugte mich aber, es einfach zu versuchen, weil es ja etwas anderes ist, wenn der vertraute Pfarrer zu den Gläubigen spricht“, erzählt Franz von Lüninck von St. Sebastian in Gilching. Ein erster nicht öffentlicher Versuch, über Youtube live gehört zu werden, scheiterte. „Ich hatte noch sehr wenig Ahnung von der Technik. Da holte ich meinen 12Jährigen Neffen Georg aus Wörthsee zu Hilfe. Für den war es kein Problem, mir diesen Kanal einzurichten und mir auch das technische Knowhow beizubringen. Der hat mich richtig auf Trab gebracht“, freut sich der 53Jährige Seelsorger. Am vergangenen Sonntag war es dann soweit. Start war in der idyllisch gelegenen Kapelle Mariä Heimsuchung in Geisenbrunn. Sie fasst normalerweise um die 40 Besucher. Anwesend waren außer dem Geistlichen lediglich noch der neue Organist Roberto Seidel sowie in gebührendem Abstand stehend vier Mitarbeiter der Pfarrei. „Da stand ich nun vor dem Altar und blickte in einen leeren Kirchenraum. Es war eigenartig, doch als ich zu predigen anfing und in die Kamera blickte hatte ich plötzlich das Gefühl, bei den Menschen anzukommen. Ich spürte förmlich, dass sie mir zuhörten.“ Thema der Lesung war „Lazarus steh auf“.

Einer, der den Gottesdienst von zu Hause aus verfolgte, war IT-Experte Matthias Vilsmayer. „Ich dachte ich seh‘ nicht Recht. Es waren beim ersten Mal bis zum Schluss fast 200 Menschen online, die der Predigt live zuhörten.“ Vilsmayer ließ es sich auch nicht nehmen, dem Team von St. Sebastian über Facebook sofort ein Feedback zu geben. „Ich gratuliere zu diesem schönen und gut besuchten Gottesdienst. So viele Leute hätten in der Kirche gar keinen Platz bekommen.“ Der 49Jährige Gemeinderat (FW) regte zudem an, weiterzumachen und zu versuchen, mehr Menschen in Gilching die Möglichkeit einzurichten, daran teilzunehmen. „Es gibt ja viele Mitbürger, die nicht mehr so mobil sind, um in die Kirche zu gehen. Das wäre eine gute Chance, mehr noch für unsere Gemeinde zu tun.“  

Begeistert vom Feedback war auch Franz von Lüninck. Bis gestern besuchten immerhin rund 900 Besucher seinen ersten virtuellen Gottesdienst. „Der Zuspruch nach der Übertragung war erstaunlich. Noch nie habe ich, seit ich Pfarrer bin, so ein Echo nach einem Gottesdienst bekommen.“ Vorerst werde er selbstverständlich weiter machen, sagt der gebürtige Gautinger. Am kommenden Palmsonntag, 5. April, ist er ab zehn Uhr online. „Wir wissen noch nicht, von welcher Kirche aus wir senden. Aber das spielt ja hier keine Rolle.“ Weitere Übertragungen sind für Gründonnerstag sowie Karfreitag und in der Osternacht vorgesehen. Die Anfangszeiten werden rechtzeitig auf dem Youtube-Kanal unter St. Sebastian Gilching angezeigt. LeniLehmann             

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