Mit der Neugestaltung des Innenraums soll vor allem der Passagierfluss verbessert und damit die Kapazität der Fahrzeuge besser ausgeschöpft werden
S-Bahn München
Landkreis/München - Im Auftrag des Freistaats modernisiert DB Regio in den kommenden drei Jahren die bestehende Fahrzeugflotte der S-Bahn München. Dabei wird der Innenraum der 238 Fahrzeuge vom Typ ET 423 umgestaltet. Angesichts der stark wachsenden Bevölkerung im Großraum München ist es das wesentliche Ziel des Modernisierungsprojekts, die Kapazität der Fahrzeuge besser auszuschöpfen und die Betriebsstabilität zu erhöhen. So soll beispielsweise ein offeneres Raumkonzept mit breiteren Durchgängen den Passagierfluss verbessern. Der transparente Innenraum mit neuem Lichtkonzept sowie mehr Festhaltemöglichkeiten sorgen für zusätzliche Sicherheit. Neue, großflächige Monitore informieren künftig in Echtzeit über den Fahrtverlauf der Züge sowie über Umsteigemöglichkeiten, Störungen und Fahrplanänderungen im Rahmen von Bauarbeiten.
 
Mit der Neugestaltung des Innenraums soll vor allem der Passagierfluss verbessert und damit die Kapazität der Fahrzeuge besser ausgeschöpft werden. Derzeit konzentrieren sich die Fahrgäste meist im Einstiegsbereich, während die Durchgänge zwischen den Sitzgruppen zu wenig genutzt werden. Dadurch kommt es auch häufig zu Verzögerungen beim Ein- und Ausstieg. Diese Sekunden summieren sich insbesondere auf der Stammstrecke zu deutlichen Verspätungen. Eine detaillierte Analyse des Fahrgastverhaltens ergab auch, dass selbst bei vollbesetzten Zügen viele Sitzplätze frei bleiben, etwa weil sie mit Gepäckstücken belegt sind oder Gepäck den Zugang versperrt. Ausgehend von diesen Erkenntnissen erarbeitete die BEG gemeinsam mit der S-Bahn München sowie der auf Industriedesign spezialisierten Agentur Neomind ein Konzept zur Umgestaltung der Fahrzeuge, das vielerlei Beschränkungen bestmöglich berücksichtigt, die es bei einer Modernisierung von Bestandsfahrzeugen zu beachten gilt. Das Modernisierungskonzept bezieht unter anderem die Ergebnisse von einschlägigen Experteninterviews, Marktforschungen und Fahrgastbefragungen mit ein.
 
Offeneres Raumkonzept, weniger Blockaden, verbesserte Qualität

Im Rahmen der Modernisierung wird ein großzügigeres Raumkonzept umgesetzt. Konkret werden die Windfänge transparenter gestaltet und im Einstiegsbereich schmaler, um die Durchgänge zu den Sitzgruppen zu weiten. Künftig besteht die Möglichkeit, größeres Gepäck direkt neben dem Sitz abzustellen. In den veränderten Einstiegsbereichen sind zusätzliche und verbesserte Stehplatzmöglichkeiten mit Haltepilzen vorgesehen. Um dieses Raumkonzept umzusetzen, wird die Zahl der Sitzplätze reduziert, von 192 auf 166 Sitzplätze je Fahrzeug. Zudem wird ein Großteil der Sitze schwebend angebracht, um darunter zusätzlichen Stauraum für Gepäck zu schaffen. Durch den verbesserten Passagierfluss und die Möglichkeit, Gepäckstücke neben bzw. unter dem Sitz zu deponieren, kommt es zu weniger Blockaden, und die Zahl der tatsächlich genutzten Sitzplätze steigt. Im Ergebnis führen diese Maßnahmen zu einer besseren Verteilung der Fahrgäste über das gesamte Fahrzeug. Gesamtkapazität pro Fahrzeug erhöht sich von 544 auf 612 Plätze.
 
Der Mehrzweckbereich an beiden Enden der Fahrzeuge wird ebenfalls umgebaut, um Konflikte zwischen Radfahrern, Rollstuhlfahrern, Personen mit Kinderwagen und anderen Fahrgästen zu verringern. Zusätzlich zeigen Piktogramme auf dem Boden, welche Bereiche für welche Nutzung vorgesehen sind. Angrenzend an die beiden Führerstände wird ein Familien- und Gruppenbereich eingerichtet. Dort sind die Sitze als Eckbank angeordnet, so dass selbst größere Gruppen Platz finden. Große Piktogramme über den Türen machen die Mehrzweckbereiche bereits von außen deutlich erkennbar. Über großflächige Monitore an den Decken wird ein neues Fahrgastinformations-system die Passagiere über den Fahrtverlauf, Umsteigemöglichkeiten und Abweichungen vom Regelbetrieb auf dem Laufenden halten. Die Informationen werden in Echtzeit zur Verfügung stehen. So können die Fahrgäste, beispielsweise bei Störfällen auf ihrer Strecke, gegebenenfalls ihre Reiseroute kurzfristig und zügig ändern. Neue, digitale und farbige Anzeigen außen am Zug zeigen das Zugziel sowie wichtige Zwischenstationen an und verbessern so die Orientierung der Fahrgäste. Für mehr Sicherheit sorgen Haltepilze im Einstiegsbereich und verbesserte Festhaltemöglichkeiten an den Sitzen. Der transparent gestaltete, vollständig einsehbare Fahrzeuginnenraum und der Einsatz moderner LED-Lichttechnik verbessern das Sicherheitsgefühl merklich.
 
Straffer Zeitplan

Die 238 Fahrzeuge vom Typ ET 423 wurden in den Jahren 2000 bis 2005 in Betrieb genommen. Der serienmäßige Umbau der Fahrzeuge erfolgt ab Frühjahr 2018. Neben der Modernisierung des Innenraums werden die Fahrzeuge technisch gewartet, außen neu lackiert und mit Graffitischutz versehen. Die Fahrzeuge werden nacheinander aus dem Betrieb genommen, in den Werken der DB Fahrzeuginstandhaltung in Nürnberg und Krefeld überarbeitet und anschließend wieder eingesetzt. Die Modernisierung der gesamten Fahrzeugflotte soll 2020 komplett abgeschlossen sein. „Der Zeitplan ist straff, damit die Fahrgäste möglichst schnell in den Genuss der Verbesserungen kommen“, sagt Heiko Büttner, Geschäftsleiter der S-Bahn München, die das Modernisierungsprojekt im Auftrag der BEG umsetzt. „Wir wollen bereits im Frühjahr 2018 den Musterzug fertig haben und danach mit der serienmäßigen Modernisierung aller 238 Fahrzeuge beginnen. Es ist das größte Fahrzeugmodernisierungsprojekt der DB und ein toller Auftrag für unsere Werke Nürnberg und Krefeld der DB Fahrzeuginstandhaltung.“ Um die Stärke der Fahrzeugflotte während der Modernisierungsphase zu halten, werden parallel zu den heute bereits verkehrenden 15 Fahrzeugen des Typs ET 420 bis zu weitere 21 gebrauchte Fahrzeuge desselben Typs in die Flotte integriert. Sie werden nach Abschluss der Modernisierungsmaßnahmen die S-Bahn-Flotte verstärken. Die modernisierten Fahrzeuge des Typs ET 423 werden bis Mitte der 2020er-Jahre im Münchner S-Bahn-System fahren. Danach ist vorgesehen, sie sukzessive durch Neufahrzeuge zu ersetzen.
Kategorie

Das könnte Sie auch interessieren

Landkreis – Einen Monat nach Ausbruch der Geflügelpest in einem Betrieb in Wiedenzhausen (Landkreis Dachau) können sämtliche Sperrmaßnahmen aufgehoben werden.

Gilching – Wer den Gilchinger Gemeinderat besucht, kennt ihre Stimme: Klar, eindringlich und voller Leidenschaft hält Gabriele Taubenhuber im Rahmen der Bürgersprechstunde immer wieder Plädoyers zum Schutz der Natur.

Puchheim – Anfang Februar traf sich das ehrenamtliche Fahrerteam der Puchheimer Rikscha zum ersten Teamtreffen des Jahres, um gemeinsam die kommende Saison zu planen.

Fürstenfeldbruck – Seit 1. April ist es amtlich: Die B2 führt jetzt über die Oskar-von-Miller-, die Fürstenfelder- und die äußere Schöngeisinger Straße.

Puchheim – Die Stadt Puchheim und der Puchheimer Umweltbeirat veranstalten am Sonntag, 20. September, von 11 bis 17 Uhr am Grünen Markt den diesjährigen Puchheimer Ökomarkt.

Maisach – Ein Tierheim wird dringend im Landkreis Fürstenfeldbruck benötigt. Darin sind sich 17 von 23 Kommunen des Landkreises einig. Die Gemeinde Maisach würde ein geeignetes Grundstück zur Verfügung stellen.

Türkenfeld - Der Landkreis Fürstenfeldbruck ist seit dem 6. März 2026 offiziell Teil der bundesweiten Initiative „Region der Lebensretter“.

Olching – Jetzt beginnt beim Vogelnotruf in Olching wieder die Hochsaison der Jungvögel in Not. Dann kommen täglich neue hilflose Piepmätze, die von Hand aufgezogen werden müssen.