Gabriele Taubenhuber engagiert sich für Mensch und Natur und möchte Themen, die uns alle angehen, anstoßen
Leni Lehmann
Gilching – Hallo, jetzt komm ich. Trifft man auf Gabriele Taubenhuber aus Gilching, muss man sich auf ein leidenschaftliches Plädoyer pro Natur und alles, was darin kreucht und fleucht, einstellen. Die quirlige Rentnerin spricht von einer Berufung, die ihr in die Wiege gelegt wurde. In der Bürgerfragestunde des Gemeinderats hat sie für ihr Engagement bereits Applaus bekommen.

Erstmals ergriff Gabriele Taubenhuber in der Aprilsitzung des Gemeinderats das Wort. Keineswegs polemisch, jedoch mit viel Leidenschaft trug sie ihr Anliegen vor. „Es bereitet mir körperliche Schmerzen, wenn ich sehe, dass es auf unseren landwirtschaftlich genutzten Feldern keinen Platz mehr für Pflanzen und Blumen gibt und somit auch keine Nahrung mehr für unsere Insekten und Vögel“, begründet die 71-Jährige bei einem Interview ihre Mission. 1946 in Puchheim geboren, zog sie mit ihren Eltern schon als Kind nach Gilching. Unter anderem besuchte sie bei den so genannten Englischen Fräulein in München die Schule. „Ja, ich habe eine gute Bildung mitbekommen. Aber das Geld war rar.“ Weshalb sie zwar viele Bauern als Verehrer hatte, die sie auch heiraten wollten. Das scheiterte jedoch an der nötigen Mitgift, die seitens der Familien erwartet wurde. Dennoch machte sie eine Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich. „Die Ausbildung habe ich aus Liebe zu den Tieren gemacht, aber schnell gemerkt, dass Landwirt nichts mit Liebe zu Tieren zu tun hat.“ Im Laufe ihres Lebens arbeitete sie unter anderem beim Verhaltensforscher Professor Konrad Lorenz in Seewiesen, im Labor der Molkerei Deller in München, im Kloster Andechs und im Tierheim in Starnberg. Nach einer dreijährigen Ehe, „mein Mann verlangte von mir, einen Hasen zu schlachten und zu braten, da war es aus mit der Ehegemeinschaft“, lernte sie 1971 Ehemann Rudolf kennen. „Er hatte schon ein schweres Schicksal hinter sich. Ich hab’s einfach, mit de arma Hund. Egal, ob Mensch oder Tier.“ Mit Rudolf klappte dann auch die Ehe. „Wir haben sehr viel Spaß miteinander gehabt. Mein Rudolf baute sogar ein Rennauto, mit dem wir zwischen 1987 und 1992 viele Bergrennen fuhren und auch gewannen. Ich war der Schmiermaxe und Rudolf der Chauffeur. Dann ging uns das Geld aus und wir hörten mit unserem teuren Hobby auf.“

Heute ist der 68-Jährige ein Pflegefall, für den Gabriele Taubenhuber rund um die Uhr da ist. Und für den etwa 13-Jährigen Mischlingshund Hopi, den sie vor gut zwei Jahren aus dem Tierschutz adoptierte. Mittlerweile war Gabriele Taubenhuber ein weiteres Mal in der Bürgersprechstunde, um ein gutes Wort für die Jugendlichen einzulegen, die sich gerne im Park rund um das Rathaus aufhalten. „Ja, sie hinterlassen sehr viel Müll. Das liegt aber auch daran, dass an ihrem Treffpunkt am Baum kein Abfallkorb steht“, erklärte sie Bürgermeister Manfred Walter. „Könnten’s nicht einfach mal probehalber einen Korb aufstellen und dann sehen wir ja, ob’s klappt“, bat Taubenhuber. Walter versprach’s, muss aber damit rechnen, dass die engagierte Seniorin auch künftig die Ratssitzungen besuchen wird, um mit viel Herzblut ihre Anliegen vorzutragen.   Leni Lehmann
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