Gemeinsam mit den Senioren kamen die Schüler ins Gespräch.
ak
Puchheim - „Was ist der wichtigste Gegenstand für einen 16-Jährigen?“, „Diente die Lederhose früher als Arbeitshose oder als Tracht?“ „Ab welchem Alter darf man eine Freundin oder einen Freund haben“? Über diese und ähnliche Fragen kamen Mitte September Schüler der 11. Klasse des Gymnasiums Puchheim mit Eichenauer Senioren – alle in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts geboren – ins Gespräch.
Angebahnt wurde das Treffen durch eine Zusammenarbeit des Gymnasiums mit der Nachbarschaftshilfe Eichenau im Rahmen des Sozialpraktikums, das am Gymnasium Puchheim in der 10. Klasse angeboten wird. Bei diesem haben die jungen Menschen die Gelegenheit, die Arbeit in sozialen Berufen kennen zu lernen. Schon im Vorfeld zu diesem unterhaltsamen und bewegenden Treffen hatten die jungen Leute im vergangenen Schuljahr die älteren Herrschaften zu Hause besucht und bei Kaffee und Kuchen Fragen zu deren Lebensläufen gestellt. Bei der Vorbereitung der Interviews beschäftigte die Schüler nicht nur die Frage danach, ob sie Kuchen oder Blumen mitbringen sollten, sondern wie sie bestimmte Themen wie Krieg, Vertreibung und Verlust ansprechen sollten, welche Antworten und Reaktionen sie zu erwarten hatten.
Bereitwillig und offen gaben die Gastgeber Auskunft, traurige Erinnerungen wechselten sich ab mit Schilderungen glücklicher und unbeschwerter Momente der Kindheit, liebender Eltern und munterer Landpartien. Die Ergebnisse ihrer Gespräche stellten die Puchheimer Oberstufenschüler nun einer größeren Runde im Beisein der befragten Senioren vor. Auf Schautafeln wurden Texte und Fotos präsentiert. Dabei berichteten die Referenten auch von ihren anfänglichen Bedenken und den durchweg geglückten Gesprächseinstiegen. So konnten zwei Schüler mit dem Thema Fußball beginnen, bevor sie die Reise in die Vergangenheit ihrer Gesprächspartner antraten und am Schluss den Bogen zu aktuellen politischen Themen spannen. Das führte zu der Erkenntnis, dass die älteren Herrschaften weder konservativ noch desinteressiert sind, sondern politische Entwicklungen und technische Neuerungen neugierig und aufgeschlossen verfolgen.
Bei dem sich anschließenden Gespräch kamen alle Anwesenden zu Wort; so konnten die Generationen viel voneinander erfahren. Neben den eingangs erwähnten Fragen ging es um die Rolle der Schule, Zukunftsängste und -hoffnungen, um das Verhältnis zu den Eltern und vieles mehr. Es zeigte sich, dass alle Anwesenden über Kriegserfahrungen berichten konnten, entweder aus eigenem Erleben oder durch die Erzählungen von Familienangehörigen. Alle äußerten sich zu der Frage, was wichtig ist im Leben, und es zeigte sich, dass Gesundheit, die Familie, Freiheit und Freundschaften über die Generationen hinweg eine Rolle spielen. Ab November wird eine Ausstellung zu dem Projekt in der Aula des Gymnasiums Puchheim gezeigt.
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